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Sep 2011 27

René Fehrmann – vom Elektriker zum Kreativ-Unternehmer. Den eigenen Weg muss man gehen!

Erschienen am 27. September 2011

Ein weiteres Interview aus unserer Reihe “Von Unternehmern lernen”.
Heute, René Fehrmann, Dozent sowie Geschäftsführer und kreativer Kopf bei Switch Design, einer Agentur rund um das Thema Corporate Design und Packaging.
Was wir vom Unternehmer Fehrmann lernen können? Jede Menge, soviel ist klar! Vor allem aber, zeigt uns René Fehrmann, wie man sich Ziele setzt und diese durch Kontinuität und Fokussierung erreicht. Nichts ist unmöglich, man muss nur wollen! Ach ja und sich nicht von anderen (ab)lenken lassen ;)

Viel Spaß beim Lesen!

F&W
Was antwortest Du auf die Frage: Wer ist eigentlich René Fehrmann?

Fehrmann:
René Fehrmann ist erst einmal Designer, Geschäftsführer und Dozent. Früher auch Elektriker und Rettungssanitäter. Und sonst noch Koch, Innenarchitekt, Schauspieler, Papa, Partner, Mentor.
Wie kommt es dazu?
Da das Angebot in der DDR an kreativen und designorientierten Berufen gleich Null war, blieb René Fehrmann vorerst nichts anderes übrig als einer Handwerkslehre nachzugehen. Als die Mauer fiel beendete er gerade seine Lehre. Sein Ziel war klar – Grafik-Designer! Jedoch finanziert sich so ein Studium ja nicht von allein, sodass er auch in Hamburg vorerst gezwungen war die Arbeit als Elektriker fortzusetzen, um sein Studium vorzufinanzieren. Eine private Schule sollte es aufgrund des schnelleren Studiums sein, denn schließlich hatte René Fehrmann noch einiges vor und konnte weiß Gott keine Zeit verschwenden.
Nachdem ihm aufgrund seines Engagements sogar ein Semester geschenkt wurde, stürtzte er sich in die Freiberuflichkeit, denn bei einer Festanstellung dachte sich René Fehrmann würde er sicher nicht so schnell die ganze Bandbreite erfahren auf die er so wahnsinnig neugierig war. Diese unglaublich einnehmende Leidenschaft die René in seinem Beruf versprühte nahmen sehr schnell auch nahmenhafte Agenturen, Verlage und Firmen war. Von Editorial-, Corporate- und Packaging-Design bis hinzu Konzept, Fotografie und auch Dekoration für Themenparties und das alles in Hamburg, Düsseldorf, Berlin. 2003 wurde er dann auch Dozent für Design und Self Marketing. So vermittelt er nicht nur an seiner alten Schule seine gesammelten Erfahrungen in teilweise eigens konzipierten, zeitgemäßen Kursen.

F&W
Warum hast Du Dich für ein eigenes Unternehmen entschieden?

Fehrmann:
Für was nun die abwechslungsreiche Freiberuflichkeit aufgeben? Für eine eigene Firma!
Eine Zeit lang ist das freiberufliche «Söldnerleben» schön und wie eine Droge. Ein Projekt jagt das nächste, ständig neue spannende Leute, verschiedene Unternehmen mit ihren eigenen Philosophien – man fühlt sich am Puls der Zeit. Oder sogar immer ein Stück voraus. Nach über acht Jahren will man aber auch Beständigkeit, mehr an der Wertschöpfung teilhaben, etwas was bleibt, außer eine Rechnung schreiben und der Spruch «Bis zum nächsten Projekt».
2007 dann als logische Steigerung gemeinsam mit einem Geschäftspartner die Ausgründung einer Design-Unit einer bestehenden Werbe- und Design-Agentur.
Ab dann Chefkreativer und Geschäftsführer. Die neue (Tochter)Agentur heißt «switch:design». Warum? Die «Mutter»-Agentur heißt seit etlichen Jahren «switch:life brands». Um deren Branchen-Bekanntheit und aufgebauten Markenwerte zu nutzen, entschied man sich schnell für die Version den Namens-Stamm «switch» zu übernehmen und deskriptiv mit dem zu ergänzen, was man hauptsächlich anbietet: Design. Den Erfolg der Marke weiterführen. Heute 2011: Bisher eine gute Entscheidung.

F&W
Dein Lebenslauf hatte viele verschiedene Stationen, vom Elektriker über den Selbstständigen zum Unternehmer. – Warum hast Du Dich für diesen Weg für diesen (Um)Weg zum Unternehmer entschieden?

Fehrmann:
Tja, wo soll ich anfangen? Eventuell ja so: Gibt es denn eigentlich den normalen Weg zum Unternehmer? Vielleicht?!
Die Eltern leben es vor, ebnen damit den Weg, finanzieren ein entsprechendes Studium und stellen Kontakte her. Könnte klappen!
War aber bei mir nicht der Fall. Besonders war vielleicht die Entscheidung noch einmal Schulbank zu drücken und einen Beruf zu lernen, der vor einigen Jahren in der DDR noch undenkbar war. Freie Gedanken und Möglichkeiten! Jedoch gab es wenige in meinem Umfeld die das verstanden, wenige die einem Mut machten. Aber wichtig ist es trotzdem zu machen, sonst ärgert man sich später.
Und es fühlte sich alles richtig an. Beim Studium hat dann immer das Gefühl gedrückt, keine Zeit zu vertrödeln und keine Chancen zu verpassen.
Mit dem Abschluss in der Tasche, einigen Praktika und Projekten hinter mir, dann gleich anschließend die nächste Entscheidung, nämlich die, für die erste Selbstständigkeit: Freiberuflicher Designer.
Wieder einmal wenige im eigenen Umfeld die das verstanden, zu Einem standen und Mut machten. Warum nicht erst einmal als Angestellter?! Die Fehler bezahlen lassen! Nein.
Doch noch immer hatte ich das Gefühl noch nicht die wirkliche Berufung gefunden zu haben. Das sollte es werden: Weniger Job sondern mehr Hobby!
Durch viel Inspiration von Projekten, Kollegen und Mentoren, folgte bei mir immer Motivation:
Mit Freude besser werden und schneller, mehr Erfahrungen sammeln und dadurch größere Chancen bekommen.
Und dann kam die Möglichkeit der eigenen Firma. Eigene Projekte, Angestellte, Verantwortung. Das Umfeld wie immer scheu. Warum nicht weiter als Freelancer? Noch größeres Risiko, noch mehr Investment? Und wieder dachte ich mir: Einfach machen! – inzwischen – aus Prinzip.
Rückblickend kann ich sagen, ich bin immer wieder stolz darauf, es einfach gemacht und geschafft zu haben. Das Erzählen der eigenen Geschichte inspiriert merklich andere. Es gibt ihnen Energie und mir selbst dadurch auch.

F&W
Welche drei Dinge, hier in Deinem Büro, visualisieren Deine Werte und Visionen am besten und Warum?

Fehrmann:

01.) weißer Elefant, Speckstein-Schnitzerei
Der weißer Elefant ist ein Geschenk meiner Freundin und steht als Miniatur in meinem Büro. Sie schenkte mir praktischerweise gleich zwei Stück. Die große Version davon steht zu Hause im Bücherregal.
Was bedeutet er für mich?
Er erinnert mich täglich an den eigentlichen Beginn meiner Designerlaufbahn, nämlich einem Praktikum, noch während des Studiums, bei Peter Schmidt in Hamburg. Dort schnupperte ich so richtig Design-Luft und lernte viel durch Projekte und spannende Kollegen. Im Logo von Herrn Schmidt, der weiße Elefant, mit all seinen besonderen Dimensionen: anmutige Größe, kaum natürlich Feinde, Schlauheit, etc. Und dann noch als die seltene weiße Art, um die sich viele Geschichten und Mythen ranken. Wenn ich den Elefanten heute anschaue geht mir entsprechend viel durch den Kopf: Dieses Praktikum liegt schon einige Tage zurück – heute habe ich selber Praktikanten und Studenten um mich. Ein schöner schulterklopfender Reminder und Vorfreude auf den weiteren Weg des imposanten Tieres ;)

02.) Foto-Serie von den Twin-Towers NYC, von einem Freund Henning Alberti
New York City ist seit ich denken kann ein Thema für mich. Als Kind habe ich Bilder davon gesehen und Mama beeindruckt gefragt, wo das denn sei. «Weit weg», sagte sie. «Da kommen wir auch leider nicht hin!». Das war noch in DDR-Zeiten. Seitdem begegnete es mir immer wieder und faszinierte mich in vielen Facetten. Die Schwarz-Weiß-Fotos der Wolkenkratzer, von Feininger, im Film Fritz Langs Metropolis, Musik, Literatur, Warhol usw. Alles Spannende scheint dort her zu kommen, diesen Weg zu kreuzen, das Zentrum zu sein. Dann, nach der Wende, das erste mal dort, alle Vorstellungen übertroffen. Sofort ist das Ziel klar, dort zu arbeiten und zu leben. Um diesem Vorhaben näher zu kommen, bin ich über Jahre dann sehr oft dort gewesen, aus Sehnsucht, um die Vorstellung zu konkretisieren. Mittlerweile habe ich viel gearbeitet, Erfahrungen gesammelt, eine Familie gegründet. Das NYC-Ziel hat sich gewandelt. Bei dem hohen Arbeitspensum hätte ich nicht unbedingt viel von der Stadt. So behalte ich sie mir lieber in der schillernden Ferne und genieße die Urlaubstage dort. Heute verlockt mich eher die Vorstellung einer Eigentums-Wohnung dort, an Stelle eines Hotel-Zimmers. Die Faszination hat aber an nichts eingebüßt, im Gegenteil. Die Foto-Serie der Twin-Towers NYC hat Henning Alberti fotografiert und selber gerahmt. Für mich ein positiver Reminder, aber auch ein trauriges Mahnmal.


03.) eine Kinder-Fahrradhupe
Diese Fahrradhupe liegt in meinem Rollcontainer. Sie wird unregelmäßig hervorgeholt, kurz betätigt und sich mit den Erschrockenen im Büro lange schlapp gelacht. Sie steht für mich für ein ganz wichtige Sache: Humor. Anlass des Kaufes war «angry kid» (siehe www.angrykid.com). Tägliches Lachen, auch über sich selbst, ist für mich sehr wichtig. Der Witz ist überall versteckt und kann einem den ganzen Tag versüßen. Das Lachen vertreibt schlechte Laune, komische Gedanken, bringt Energie und hinterlässt eine positive Stimmung. Existenziell auch für Kreativität, welche bei uns ja oft auch per Knopfdruck fliessen soll. Wenn also von alleine keine positive Stimmung aufkommen will, hole ich die Hupe. Versprochen.”

F&W
Ganz schön frech und wüst finden wir.
Welche Frage würdest Du gern einmal gestellt bekommen? Und wie wäre Deine Antwort?

Fehrmann:
Also, zur Frage:
«Denken Sie schon an ein nächstes spannendes Projekt, wenn Sie hier auf Ihrer Terrasse in Reykjavik bei einem dampfenden Kaffee sitzen, die beiden Hunde zu Ihren Füßen spielen, gestern erst mit Ihrer Lieben aus Tanger vom Galerie-Besuch zurück gekommen sind und Morgen schon wieder nach New York zu den Enkeln weiter reisen, um gemeinsam zur Premiere des neuen Wong Kar Wai-Films zu gehen, für den Sie das Set Design mitentwickelt haben?»
Meine Antwort:
«Klar, kaum ein Augenblick vergeht ohne Gedanken an ein nächstes Projekt. Sehen Sie das Haus dort hinten … dort wohnt Björk, wenn sie hier ist. Noch Kaffee?»

F&W
Abschließend natürlich Zu guter letzt möchten wir Dich bitten,uns mitzuteilen, welchen Rat Du für unsere Gründer hast!?

Fehrmann:
“Da gibt es verschiedene Dinge, welche ich raten kann bzw. zu bedenken gebe. Angefangen mit einer Sache, welche man so gar nicht raten kann, welche man aufbringen sollte:
Mut. Mut anzufangen, Mut durchzuhalten, Mut sich zu verändern. Und auch Risikobereitschaft gehört dazu. Keine Angst haben vor dem Fehler machen. Die sind wichtig, an denen wächst man.
Keine Angst haben vor Herausforderungen. Ein Kribbeln im Bauch, Schaffe ich das?, ist natürlich ok und auch energetisch gesund. Und jetzt zum Rat:
Konzentration auf die Profession, auf das Wesentliche. Man kann nicht alles alleine machen. Zumindest nicht alles in Top-Qualität und zur gleichen Zeit. Prioritäten setzen, delegieren und Angestellten etwas zutrauen, sie Fehler machen lassen. Zu erreichende Ziele genau definieren, den Kompass zwischendrin auch mal kontrollieren. Und, nach dem Zieleinlauf sich auch die Zeit nehmen um das zu feiern. Stolz drauf sein, was man geschafft. Und, positiv denken.”

F&W
Lieber René, vielen Dank für Deine Zeit. Wir finden, Du solltest darüber Nachdenken im Haus in Reykjavik neben Interviews zu Designs von Film-Sets, auch ein Buch über Dich und Deine Geschichte zu schreiben. Wir empfanden das Gespräch und Deine Ausführungen, welche leider nur gekürzt wiedergegeben wurden, als sehr angenehm und sind überzeugt, dass Du dem Einen oder Anderen, einen Impuls geben konntest.

Vielen Dank und alles Gute auf dem weiteren Weg, wünschen Dir die FRECHen & WUESTen.

Dieses Interview führte für Euch unsere Jessica IPod.

{lang: ‘de’}

 

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